Chronische Schmerzstörung

Schmerz ist in seinem Ursprung eine Schutzfunktion des Körpers. Durch die Schmerzwahrnehmung kann sich der Organismus vor einer Gewebeverletzung schützen.

Wenn Schmerzen diese ursprüngliche Funktion verlieren und einen eigenständigen Krankheitswert erhalten, sprechen wir von einer Schmerzerkrankung oder von chronischen Schmerzen.

Sonderformen der chronischen Schmerzstörung sind das Myofasziale Schmerzsyndrom und die Fibromyalgie.

Wenn der Schmerz mehr als nervt

Chronische Schmerzen führen in der Regel zu einer Erniedrigung der Schmerzschwelle sowie zwangsläufig zu psychopathologischen Veränderungen und einer Belastung des persönlichen sozialen Umfeldes.

Was Ärzte dann unter der Diagnose F 45.41 Chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren [1] verschlüsseln, beschreibt eine länger als sechs Monate dauernde Schmerzerkrankung mit negativen Auswirkungen auf das gesamt-körperliche und seelische Wohlbefinden.
Zwangsläufig kommt es zu sozialen Belastungen: Angehörige ‚verstehen‘ die Schmerzen nicht, sie wenden sich ab. Betroffene fühlen sich durch ihre eigenen Einschränkungen hilflos und wertloser als andere. Es droht soziale Ausgrenzung mit Arbeitslosigkeit, Erwerbsunfähigkeit, Ausgrenzung innerhalb der Familie sowie aus dem Bekannten- und Freundeskreis.
Nicht selten findet sich ein depressives Erleben der Betroffenen als Folge der ertragenen chronischen Schmerzen, und andersherum kann Schmerz auch Ausdruck einer primären psychischen Erkrankung, insbesondere der depressiven Störung sein.

Allgemeine Behandlungsansätze
In der Therapie von chronischen Schmerzen, vor allem bei chronischen Rückenschmerzen, ist die sogenannte multimodale Schmerztherapie heute ein zunehmend anerkanntes Behandlungsverfahren[2]. Dabei werden unter anderem die Bausteine medizinische Therapie, umfassende Information und Schulung des Patienten, körperliche Aktivierung, Psycho- und Verhaltens- und Ergotherapie miteinander kombiniert. Neben ärztlichen Schmerzspezialisten arbeiten bei der Behandlung auch psychologische Schmerztherapeuten, speziell geschulte Physiotherapeuten, das Pflegepersonal, Sozialarbeiter, Kunst- oder Musiktherapeuten fachübergreifend zusammen, um chronische Schmerzen zu lindern bzw. die Lebensqualität der chronischen Schmerzpatienten zu steigern.

> In unserem ganzheitlichen Therapieansatz spielt die präventivmedizinische Untersuchung eine zentrale Rolle. Hier werden effektive ärztliche Therapieverfahren kombiniert mit patientenseits steuerbaren, individuellen Verfahren.

 

 

[1] Rief W., Treede R.-D., Schweiger U., Henningsen P., Rüddel H. & Nilges P.: Neue Schmerzdiagnose in der deutschen ICD-10-Version, Der Nervenarzt. 80, 2009, S. 340-342,doi:10.1007/s00115-008-2604-1
[2] Dtsch Arztebl 2014; 111(23-24): A-1094 / B-938 / C-888